Fridu, der Erdknecht

"Ich heisse Fridu und komme aus dem Emmental. Manchmal habe ich Heimweh nach unseren Hügeln. Hier ist alles so flach.
Ich bin schon als Kind weg gekommen von meiner Familie. Es gab nicht genügend zu essen zu Hause. Wir waren zwölf Geschwister. Die meisten mussten weg. Ich diente an verschiedenen Orten und kenne gute und schlechte Meister.
Ich habe gelernt, worauf man achten muss, wenn man eine neue Stelle sucht. Wir Knechte kennen die verschiedenen Höfe und ihre Herrschaften! Wir erzählen weiter, wie es uns ergangen ist, ob die Meisterin geizig ist, der Meister faul. Das hört man auch auf den Dienstbotenmärkten. Man weiss, wer recht auftischt zu Neujahr und an der Sichlete. Da wollen wir essen bis fast zum Platzen, ganz zum Ärger der Meisterleute!
Aber eben, die haben es ja auch nicht immer einfach: Es gibt aller Gattung Gesinde! Solche mit zu langen Fingern, andere mit zu grossem Durst, Langsame, deren Maul aber wie geschmiert läuft; andere wiederum sind jähzornig oder haben eine zu heisse Liebe!
Wenn du einmal einen schlechten Ruf hast, bringst du ihn nicht wieder weg. Da gibt es nichts anderes als fort, weit fort! Manche wollen in Amerika reich werden, wie sie plagieren. Der Resu ist gegangen. Er sei fast gestorben auf dem Meer. Jetzt diene er einem reichen Herrn und müsse schaurig unten durch... Da bleib ich lieber, wo ich bin und weiss, was ich habe.
Auf dem Feld macht mir niemand etwas vor. Keiner weiss besser als ich, wann es Zeit ist, auszusäen. Und im Winter geht es ins Holz. Das ist harte Arbeit. Ich schwinge das Beil wie kein anderer. Ich bin ein tüchtiger Kerl, das sieht man mir doch an! Sonst fragt das Änni, das hol ich mir bald als Braut!"