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Althuus

Rösi, eine Jumpfere

"Ich heisse Rösi. Im Winter sitzen wir Jumpferen oft in der warmen Stube unten und spinnen den Flachs, den wir im Herbst mit Tante Kläri geröstet und gebrochen haben.

Dann winden wir das Garn. 350 Umgänge hat eine Strange. Im Luzernischen sind es weniger. Die versuchen in Bern auf dem Markt, ihre Strangen zum selben Preis zu verkaufen wie wir unsere grossen. Zum Glück lassen sich unsere Kundinnen nicht übers Ohr hauen!

Bei der Oberjumpfere habe ich spinnen gelernt. Jetzt kann ich es schon bald so gut wie sie. Nur ab und zu verliere ich den Faden. Ich spinne gerne im Winter. Dazu hüte ich die Kleinen. Wenn ich nicht aufpasse, können die ein schreckliches Gnusch machen!

Hier im Schlafgaden ist es kalt, es zieht halt durch. Und man ist nie recht sicher vor den Nachtbuben. Nur mein heimlicher Schatz dürfte kommen. Doch wo sollten wir uns treffen? Überall hat es gwundrige Augen. Nichts verraten, das ist ein Geheimnis! Doch muss ich auf der Hut sein. Man hört schreckliche Geschichten von ledigen Müttern, die aus Verzweiflung ihr Kind umbringen, weil sich der Vater aus dem Staub gemacht hat.

Gestern hat uns Nachbars Trine gemeldet, das Liseli im Dorf sei am 6. Kind gestorben, oh je... Hoffentlich geht bei unserer Meisterin alles gut. Sie ist auch wieder in Hoffnung. Ich möchte ein Mädchen, das uns bald zur Hand gehen kann. Buben sind im Haus zu nichts zu gebrauchen.

Warum erhalten eigentlich die Knechte doppelt so viel Lohn wie wir Jumpferen? Wenn die abends längst vor dem Haus sitzen und Pfeife rauchen, arbeiten wir noch in der Küche. Und wann hätten wir Zeit, ins Wirtshaus zu sitzen? Sogar für den Predigtgang müssen wir uns abwechseln.

Immerhin helfen sie uns an den zwei Waschtagen im Jahr: Sie bringen die grossen Büttinen und spannen die Wäscheleinen. Wir Frauen sind dann aber vom Morgen früh bis am Abend spät am Werk."
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